Montag, 8. Oktober 2012

Hakenwürmer, Kudus und Meerkatzenpenisse

Ob man durch den Blog von Christopher A. Schmitt richtig Lust auf Feldforschungsaufenthalte im Jungel bekommt ist fraglich. Unterhaltsam und schön geschrieben sind seine Tips zum Leben und Überleben im Feldforschungsalltag allemal. Es tauchen viele alte Bekannte der Freilandbiologenstammtische auf: ekeleregende Krankheiten, dümmliche Unfälle, Haushaltstips und gefährliche Biester.  
Sogar der große Ed Young lobt den Blog
Wenn man einen solchen Bericht liest, fragt man sich, was diesen Menschen treibt, sich immerwieder solchen Strapatzen auszusetzen. Manche Posts geben uns einen Enblick, was das sein könnte. Jedem von euch, der das liest und gerade irgendwo in seinem Forschungscamp sitzt und zufällig Internet, Strom und zuviel Zeit gleichzeitig hat, empfehle ich diese Lektüre NICHT.

Aber was bedeutet eigentlich Evopropinquitous?
Kann mir jemand weiterhelfen?

Dienstag, 2. Oktober 2012

In an octopus's garden

In diesem Video seht ihr ein Exemplar der allseits beliebten Kopffüssler in Bestform: Nicht nur, dass er den zum Anziehen von Meeresbewohnern vor der Küste von Südafrikas ausgelegten Köder zerlegt und verspeisst, er scheint sich auch ein neues Haustier zu zulegen. Er hält einen Pjyama Hai an der Schwanzflosse, als würde er ihn ausführen. Wahrscheinlich hält er ihn nur vom Futter fern. Aber es gibt einen schönen Einblick in einen Octopus's garden.


Foiled by an octopus ... from Lauren De Vos on Vimeo.
I'd like to be under the sea...- via-

Dienstag, 25. September 2012

Kritisch und trendbesessen: Jetzt mit extra Wissenschaft!

Das US-amerikanische Magazin Vice  hat laut Wikipedia die Zielgruppe "kritische, trendbesessene und kulturbestimmte Großstadtbewohner, zwischen 21 und 40 Jahre alt". Es ist mir zwar unklar, wer in diesem Artikel zitert wird, aber schön, dass sich diese kritischen, trendbesessenen und kulturbestimmten Großstadtbewohner, zwischen 21 und 40 Jahren, auch für Wissenschaft  begeistern lassen. Die jetzige Ausgabe trägt nämlich den Titel "weird science"  und hat ein paar interessante Artikel zum Thema Sex, Drugs und Wissenschaft. Viel Sciencefiction ist auch dabei, aber der Artikel zu den kriminellen Chemikern ist, nicht nur für Fans von Breaking Bad, zu empfehlen. Der Teeniekrebsforscher ist auch recht beeindruckend. Naja und die ist ja umsonst!

Dienstag, 18. September 2012

Rien ne va plus!



Eine ethnologische Exkursion ins Kasino lohnt sich. Wenn meist nicht finanziell, dann doch im Erfahrungswert. Mich hat es zum Nachdenken gebracht. Ganz besonders in Kombination mit diesem Ausschnitt, der in meinem letzten Post vorgestellten, Rede von Sapolsky. Was bewegt diese alte Dame am Rouletttisch bis um 2 Uhr nachts ein Plastikplättchen nach dem anderen in den Schlund der Croupiers verschwinden zu lassen? Was motiviert sie? 

Dopamin ist ein wichtiger Spielgefährte. Ein allseits bekannter Akteur des Gehirnchemietheaters, der immer als die „Belohnungsdroge“ verschriehen ist. Doping, gedopet, Dope... Dopamin erinnert an aufputschen, verbessern, berauschen. Diese Ähnlichkeit ist verwirrend, denn eigentlich kommt das Wort Dopamin von DOPA (Dihydroxyphenylalanin), einer chemischen Vorstufe für diesen Stoff.
Dopamin wird besonders von Zellen im ZNS in der Substatia nigra, einem kleinen sehr alten Teil unsers Gehirns hergestellt. Diese reichen mit ihren Synapsen an Zellen des limbische Systems, dem Frontallappen der Grosshirnrinde und in mit der Motorik assozierte Bereiche der Basalganglien.



Für unsere Motivation sind sicherlich die zwei ersten Bahnen am interessantesten.
Laut dem deutschen Wikipediaartikel wird es auch als "Glückhormon" bezeichnet. Es ist tatsächlich so, dass Dopamin wahrscheinlich für das Wahrnehmen eines „Flow“s verantwortlich ist. Diese Art von Empfindung hat jeder von uns wohl schon erlebt: man macht etwas, dass einem Spass macht und vergisst die Welt umsich herrum. Wir empfinden diesen Zustand als sehr angenehm. Es ist eine Art Trance, im höchsten Moment der Motivation. 
Tätigkeiten, die ein solchen Zustand hervorrufen sind bei jedem unterschiedlich: bei manchen ist es lesen, billiardspielen, mathematische Gleichungen lösen, ein Stuhl bauen, ein Bild malen… Es ist von Vorteil wenn man diese Tätigkeit zum Beruf hat. Es fehlt einem wohl kaum an Motivation. Während eines Flowerlebnisses ist unsere Kreativität in höchstform. Gedanken fliegen nur so hin und her. Mihaly Csikszentmihalyi hat zu diesem Thema geforscht und festgestellt ein Optimum von Herausforderung und Fähigkeit machen eine Tätigkeit zu einem Flowerlebnis.
Zurück zum Kasino: Sicher hat die alte Dame am Rouletttisch ein Flowerlebnis. Sie überlegt wie sie am besten setzen soll. Auf diese oder jene Reihe oder doch auf eine Zahl? Auf Nummer sicher gehen oder volles Risiko? Es ist komplex, eine Herrausforderung. Welches ist die beste Taktik? Wenn sie gewinnt (und das tut sie ab und zu an einem Rouletttisch) denkt sie es war die Richtige! Sie hat das Spiel durchschaut! Sie denkt sie hat die Fähigkeit diese schwere Aufgabe, beim Roulette zu gewinnen, zu beherrschen.
Doch was passiert in ihrem Gehirn?
Das limbische system  spielt wahrscheinlich beim Flowerlebnisein eine große Rolle. Es heisst Glückgefühle kämen von der Ausschüttung von Dopamin an den Synapsen des Nucleus Accumbens, teil der Basalganglien und somit des limbischen Systems. Hier wirken sowohl Kokain als auch Amphetamine. Wenn es nicht richtig funktioniert, fühlen Menschen sich antriebslos und lustlos. Entsteht hier auch der Flow?
Es ist wieder etwas komplizierter und man weiß eigentlich noch gar nicht so richtig, wie das Flowgefühl entsteht. Man kann es schwer aktiv hervorrufen, weder im Tier noch im Menschen. Forscher aus Aachen haben  2011 versucht die Gehirnaktivität während eines Egoshooterspieles aufzunehmen und anhand des Spielverlaufes zu rekonstruieren, wann ein Flowerlebnis wahrscheinlich aufgetreten ist. Beim Computerspielen empfinden viele Menschen ein Flowerlebnis. Dafür werden solche Spiele auch konzipiert.  Tatsächlich  konnten sie feststellen, dass sowohl der Nucleus accumbens als auch sensorimotorische (die Wahrnehmen und Bewegung steuern) und cognitive Zentren im Cortex  aktiviert werden. Es scheint also eine Verbindung aus der Aktivierung des sogenannten Belohnungssystem (Nucleus Accumbens), das eine Art Glückgefühl hervorruft und der Aktivierung unsere Bewegungs- und Denkapparats, wahrscheinlich in Verbindung mit einer erhöten Aufmerksamkeit, zu sein, die als Flow wahrgenommen wird und uns so sehr motiviert weiterzumachen.
So vielleicht kann man sich vorstellen, was einen dazu motiviert, sein ganzes Geld an einem Rouletttisch zu verprassen. So kann man, die in uns vorhandene Motivationsmachinerie gnadenlos  missbrauchen um sich unglaublich zu bereichern. Clever gemacht liebe Kasinobetreiber!



Klasen, M., Weber, R., Kircher, T. T. J., Mathiak, K. a, & Mathiak, K. (2012). Neural contributions to flow experience during video game playing. Social cognitive and affective neuroscience, 7(4), 485-95. doi:10.1093/scan/nsr021
 Mihaly Csikszentmihalyi Flow. Klett-Cotta, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-608-94555-3.

Donnerstag, 6. September 2012

blau blau blau...


Wer hat blaue Füsse, und zwar nicht weil es zu kalt ist, und gibt auch noch damit an?


der Blaufusstölpel! Fast so gut wie der englische Name : Blue-footed Booby!

Diesen lustigen Vogel findet man hauptsächlich auf den Galapagos Inseln. Und die blauen Füsse? Natürlich für die Girls! Sie zeigen dem Weibchen in der Paarungszeit wie gut die Männchen im Nahrungserwerb sind: Je blauer desto mehr Fische gibt es für die Babys. Es stellt also ein "honest signal" dar, also eine ehrliche Qualitätsinformation für die Weibchen. So kann man sich auch erklären wie ein so auffälliges Merkmal sich envolutionär entwickeln konnte. Die Weibchen haben diesen Zusammenhang irgendwann erkannt und so immer die Männchen mit blauen Füssen zur Paarung auserkoren und nach vielen Generation haben alle blaue Füsse. 
Es geht noch weiter: da die Farbe sich sogar in kürzester Zeit je nach dem Zugang zum Futter ändern kann, können die Weibchen ihre Investition in der Paarung ändern. Das heisst, dass sie, wenn der Tölpelprinz sich doch als Frosch herrausstellt, auch weniger in die Partnerschaft investieren und gegebenenfalls die Paarung verweigern. Also, liebe Tölpelmännchen, haltet euch ran sonst war das ganze Geflirte um sonst...


Torres, R and Velando, A (2003) A dynamic trait affects continuous pair assessment
in the blue-footed booby, Sula nebouxii
. Behav Ecol Sociobiol  55:65–72

Mittwoch, 22. August 2012

Eloquente Biologen

Er sieht aus wie eine Mischung aus Karl Marx und Jesus (danke Tobi), ist Stanford Professor und hat sich laut Wikipedia mit 12 selbst Swahili beigebracht.
Der Neurowissenschaftler Robert Sapolski ist nicht nur eine beeindruckende Wissenschaftlerpersönlichkeit, er ist zusätzlich noch ein wunderbarer Redner. Aber schaut selbst...

Diese Rede zur Abschlussfeier in Stanford erklärt klar und einfach große Debatten der Verhaltensbiologie. Seine Schlussfolgerung zur Menschlichkeit bestimmter Eigenschaften teile ich nicht in jedem Punkt: gibt es wirklich keine Tierart, die ein Theaterstück verstehen würde? Ich bin mir nicht sicher, ob man sie nicht noch finden wird.
Was haltet ihr davon?
http://avoision.com/portnoy/images/2006/november/sapolsky.jpg


Er bietet ein Umsonstvorlesung "human behavioual biologie" an und ist auch für seine populärwissenschaftlichen Bücher  bekannt.

http://www.stanford.edu/group/howiwrite/Bios/robertsapolsky/index.html
https://www.facebook.com/pages/Robert-Sapolsky/412370063083?sk=info
http://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Sapolsky

Montag, 13. August 2012

FAQ


Wenn man erzählt man ist Biologin, kommt oft erst einmal:„ Echt? Was ich mich schon immer gefragt habe ist…“ An dieser Stelle kommt dann eine Frage zu irgendwelchen Tierarten oder Alltagsphänomenen: Wieso gibt es keine Kühe auf Halligen? Haben Kühe wirklich keinen Schließmuskel und laufen im Wasser voll? Was wächst da in meinem Balkonkasten, lebt unter meinem Bett?
Nicht dass ihr mich falsch versteht: man freut sich über solche Fragen, da sie eine Herausforderung darstellen, aber meist kennt man die Antwort selber nicht.
Wenn ich aber sage das ich mich mit Meeresbiologie beschäftige kommt immer dieselbe Frage: Was ist denn Meeresleuchten?
Viele kennen dieses Phänomen besonders aus den Tropen: man geht baden und um einem herum fängt es an zu leuchten. Erst denkt man es ist nur der Mond doch irgendwie ist es doch etwas anderes. Bis man merkt das WOW das Wasser leuchtet wenn man sich darin bewegt!


So sieht es aus. Es kann sowohl an der Küste als auch auf dem offenen Meer entstehen. Man kann hier zwei Phänomene unterscheiden: das Meeresleuchten, das durch Bewegung ausgelöst wird und die so genannten „ Milky seas“,  bei denen große Meeresflächen in milchigem blauem Licht leuchten.
Das Video weiter oben beschreibt das klassische Meeresleuchten. Es wird durch den Einzeller Noctiluca scintillans ausgelöst. Diese Phytoplankton fressenden Lebewesen fangen an zu leuchten wenn sie Berührt werden. In kleinen Einschlüssen in der Zelle enthalten sie ein Proteinkomplex (Luzerferin-Luziferase- komplex) der Licht produziert.


Es gibt regelrechte „Blüten“ dieser Einzeller, also große Ansammlungen, die mit der Menge am Plankton im Wasser zusammenhängt. Somit sind sie oft den Sogenannten Red Tide assoziiert. Mikroskopische Algen vermehren sich massiv, so dass sie sogar das Meer rot färben können. Diese setzen teilweise Toxine frei die auch für den Menschen gefährlich sein können wenn man sie z.B durch Meeresfrüchte aufnimmt. Starkes Meeresleuchten zeigt also große Algenkonzentrationen. Ein super Warnsystem!
Aber auch Bakterien können das Meer zum Leuchten bringen. In vielen Seefahrer Legenden ist von Milchmeer die Rede.
Heute weiß man: es sind biolumineszente Bakterien, meist Vibrio harveyi, die für das dumpfe blaue Leuchten verantwortlich sind. Sie sind zwar immer im Meer vorhanden doch nur mit einer Gewissen Häufung fangen sie an im Akkord zu leuchten. Diese Fähigkeit nennt man Quorum sensing. Je höher die Konzentration dieser Bakterien an einem Fleck ist desto mehr Botenstoffe entlassen sie. Diese werden von Ihren Nachbarn wahrgenommen und wenn die Menge dieser Botenstoffe eine magische Grenze überschreiten gehen die Lichter an! Und somit bei allen Zellen gleichzeitig!
Dieser Lichterteppiche können riesig sein: es gelang Steve Miller aus Havard 2005 einen Milky sea Vorkommen aus dem All zu fotografieren.
http://www.pnas.org/content/102/40/14181.long

Wie man sieht ist er mehr als 200 km lang! Eine Theorie ist das die Bakterien dank des Leuchtens Fische anziehen in deren Darm sie sich auch gerne ansiedeln.